Zur Geschichte des Ortes

 

Die wechselvolle Geschichte Baarsens mit facettenreichen anschaulichen Schilderungen, interessanten Gegebenheiten, vom  Einfluss der Kriege aus verschiedenen Epochen und des mehrfachen Eigentümerwechsels auf das dörfliche Leben, bis hin zur Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung vom 19. Jahrhundert an  bis zur heutigen Zeit, aber auch persönliche Schicksale und Familiengeschichten im Verlauf der Jahrhunderte lassen sich ausführlich und sehr spannend im Buch von Manfred WillekeDie Geschichte der Pyrmonter Bergdörfer“ (herausgegeben vom Förder- und Verkehrsverein Pyrmonter Bergdörfer e.V.) verfolgen, begleitet von Bildern, Fotos, Überlieferungen und Legenden.

Zur Entstehung des Ortes Baarsen

Einige Auszüge aus dem Buch

(Mit freundlicher Genehmigung des Buchautors)

 

Baarsen (ursprünglich Bardessen oder Batessen) entstand im 9. Jahrhundert als Hausenort und „gehörte ursprünglich zum Machtbereich der Grafen von Everstein.“

 

„In der Deutung kommen zwei Möglichkeiten in Frage. Einmal könnte es nach seiner Lage oberhalb Neersens als Ober/Bobenhausen gedeutet werden. Es könnte allerdings, und das ist am wahrscheinlichsten, auch die Gründung eines Mannes namens Baddo oder Bardo sein. Vielleicht jenes Baddo „aus Lide/Lyde (=Lügde)“, den wir in der Rotula des Klosters Corvey aus dem 11. Jahrhundert finden, oder aber des Grafen Bardo im Mersthem-Gau, Graf Wedekind (von Schwalenbergs?) Bruder, der 1043 lebte.“

 

„…Die erste datierte urkundliche Erwähnung Baarsens ist der großen Anziehungskraft der benachbarten Städte und Burgorte wie Lügde und Ottenstein zu verdanken, wo sich nachgeborene Bauernsöhne und Töchter, die den elterlichen Hof nicht erbten und, falls sie nicht einheiraten konnten, nur als Dienstboten Arbeit fanden, niederließen und die Namen ihrer Herkunftsorte als Hausnamen führten…“

 

„…Am 27. Februar 1284 bezeugte der Lügder Ratsherr Bernhardus de Bardessen, neben den Grafen von Pyrmont und verschiedenen Rittern, eine Urkunde. Wenige Jahre später, am 23. Juni 1293, finden wir Johann de Bardessen – vielleicht Bernhards Sohn- als Bürgermeister der Stadt Lügde erwähnt… „

 

„… 1304/12 wird im Lehnsregister des Bistums Minden erwähnt, dass der Edele Conradus von Arnhem (Arnheim), der 1295 auch Besitz in Bergen bei Ottenstein hatte, den Zehnten des Dorfes Badersen/Baarsen inne hatte. Als sich das Aussterben der Familie von Arnhem abzeichnete, zerstörten die Grafen von Schaumburg um 1300 deren gleichnamige Burg bei Bückeburg und übernahmen deren Besitzungen. Den Zehnten des Dorfes Baarsen hätten eigentlich die Grafen von Pyrmont zur Abrundung ihres Territoriums bzw. als möglichen Altbesitz übernehmen müssen, wozu es allerdings nicht kam. Vor 1311 erwarb der Edelherr Simon zur Lippe diese ehemaligen Arnhemer Besitzungen vom Bistum Minden, was sich dadurch erklären lässt, dass seine Frau, eine geborene Gräfin Adelheid zu Waldeck, die Schwester des damaligen Mindener Bischofs Gottfried zu Waldeck /1304-24) war. Da Simons Tochter Adelheid um 1310 Graf Hermann von Everstein zu Polle und Ottenstein geheiratet hatte, brauchte er von dieser Seite keinen Protest befürchten. 1311 belehnte der Edelherr Simon zur Lippe den Ritter Bruno von Frenke mit dem Dorf Bardessen /Baarsen (Villam Badessen) und zwei Hufen ei Oesdorf, wie es der Knappe von Kanne (in Lügde) bisher besessen hatte. Bis der Knappe von Kanne das Lehen jedoch freigegeben hatte, dauerte es noch einige Jahre. Erst am 29. September 1313 konnten der Ritter Bruno von Frenke und die Gebrüder Johann und Dietrich vom Berge das Dorf Baarsen kaufen, d. h. von denen von Kanne übernehmen.Dieser Übernahme, die die Möglichkeiten der Familie von Frenke und der Gebrüder vom Berge wohl überstieg und das scheinbar fehlende Interesse an dem Dorf Baarsen, führten in der Folge zu verschiedenen Verpfändungen des Dorfes. Zwei Mansen (Hufen) hatte der Herzog Otto von Braunschweig pfandweise erorben, aus dessen Lehnsbuch wir am 22. September 1318 entnehmen können, dass diese Johann de Nedere (Neersen) inne hatte. Weitere zwei Hufen hatte das Kloster Möllenbeck bei Rinteln pfandweise übernommen, das diese am 15. September 1358 an Bodo von Mengefeld verpachtete…“

„Die Vielzahl der Herren, die für Baarsen zuständig gewesen sind, war für den Bestand des Dorfes sicherlich nicht förderlich. Wie oben bereits angedeutet, haben auch aus diesem Grund wohl etliche Einwohner das Dorf verlassen, um sich in den Städten der Umgebung niederzulassen. 1392 – 1405 finden wir z. B. Johannes de Baddesen als aus Hameln stammender Student an der Universität Erfurt belegt. Weitere andere Einwohner ließen sich – wie im 13. Jahrhundert schon verschiedene Baarsener- in der nahen Stadt Lügde als Bürger nieder. Auch sie führten den Namen ihres Herkunftsortes als Hausnamen, wie 1481 Heinrich Baddenßen und viele seiner zahlreichen Nachkommen.“

„Den Wüstungsprozess des Dorfes dürfte dann wohl die Pest beschleunigt haben… Da die Pest in unserer Gegend erst 1367/74 belegt ist, dürfte Baarsen nach 1370/80 wüst gefallen sein.“

 

Weitere Daten und Fakten

 

1516 – 1629: Wiederbesiedlung von Baarsen (die sich in 4 Phasen einteilen lässt)

 

1543/46 – Baarsen verzeichnet 23 Häuser, 1580 sind es bereits 26 Häuser. Die Baarsener Feldmark umfasst 663 Morgen Land.

 

 

1584 – Graf Philipp Ernst zu Gleichen erklärt Baarsen als sein Eigentum, infolge dessen es zu einem Rechtsstreit zwischen ihm und dem Grafen Simon VI. zu Lippe vor dem Reichskammergericht kommt und mit einem Vergleich am 31. März 1598 endet.

 

1617/18 – 21 abgabepflichtige Baarsener sind in der Pyrmonter Amtsrechnung aufgelistet.

 

 

 

 

1618 – 1648

 

Das Dorf und seine Bewohner erleben viel Leid während des 30-jährigen Krieges, die sie ab 1621 deutlich zu spüren bekommen: Kontributionsforderungen, Plünderungen, Raubüberfälle und Verwüstungen durch die Soldaten, Pest.

 

1648 – infolge des Krieges sind in Baarsen nur noch 16 Höfe geblieben (von den insgesamt 34 Höfen in Neersen und Baarsen sind 16 „wüst“)

 

1669 – Zuwanderer kommen in die Bergdörfer zur Instandsetzung der Höfe.

 

14. März 1668 – die seit 1494 andauernden Streitigkeiten zwischen dem Fürstbistum Paderborn und den Grafen zu Waldeck über den Besitz der Grafschaft Pyrmont enden mit dem sog. „Hauptvergleich“ über die Teilung der Grafschaft Pyrmont zwischen dem Fürstbischof Ferdinand von Paderborn und den Grafen Georg Friedrich, Johann, Christian Ludwig und Josias zu Waldeck.

Durch den „Hauptvergleich“ sind auch umfangreiche Abgrenzungen (Abschnadungen) erforderlich.

Die Feldmark des Dorfes Baarsen umfasst 836 Morgen in 176 Parzellen, 31 Höfe (lt. Errechnungen von Ilse Niemann)

 

1686 – in Baarsen sind 30 Häuser

 

Im 18. Jahrhundert steht hauptsächlich die Bestellung der Ländereien im Vordergrund (dieses belegen von M. Willeke im Buch aufgeführte zahlreiche Beispiele über Landkäufe, Anleihen etc.*)

 

 

Der 7-jährige Krieg (1756 – 63)

Mündliche Überlieferungen über die Raubzüge der Franzosen und Engländer von Lügde aus durch das Dallensental sowie ein handschriftlicher Bericht über einen Franzosenlager auf Baarsener Gebiet.

 


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